Outdoorübungen für Indoorseminare
Spinnennetz und Seilquadrat – oder darfs ein wenig mehr sein?
von Gustav Harder
Handlungs- und erlebnisorientierte Übungen und Spiele können und werden als solche einzeln, aber auch als komplexe Lernprojekte bei fast jeder Zielsetzung in Seminaren, Workshops und Trainings eingebaut. Ausgewählte Übungen und Spiele können bei den Zielen entsprechender Auswahl und Gestaltung

• Lernprozesse unterstützen
• Auf Themen hinführen
• Themen emotional vertiefen und verstärken
• Gruppendynamische Prozesse in Gang setzen
• Interaktionen sichtbar und reflektierbar machen
• Freude und Spaß am Lernen fördern
• Selbsterfahrungen ermöglichen.
Erfolgreiches Arbeiten mit solchen Spielen und Übungen liegt nicht alleine in der Verwendung von ausgeklügeltem und technisch perfektem Material, sondern in der Synergie von
• Auswahl der Aktion und deren Gestaltung (Drehbuch, Setting)
• Der Reflexion des Abgelaufenen/Vorgefallenen
• Und dem Transfer zur Zielsetzung der Veranstaltung bzw. dem beruflichen Alltag.
Mein Anliegen ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an diesem Seminar die Arbeitsmöglichkeiten und den Umgang mit erlebnisaktivierenden Übungen und Spielen näher zu bringen, ihnen die Vielfalt und die Chancen dieser Arbeitsweise aufzuzeigen sowie die eigene Kreativität im Umgang mit solchen Mitteln weiterzuentwickeln. Dazu lasse ich mich von folgenden Gedanken leiten:
a. auswahl - anleiten - gestalten
Es gibt eine fast unüberschaubare Anzahl von guten, geeigneten Spielen und Übungen für einen zielgerichteten und sinnvollen Einsatz. Neben den bewährten Klassikern tauchen auch immer neue Übungen und Spiele auf, die in guter und umfangreicher Literatur erklärt werden.
Der Einsatz und das Arbeiten mit solchen Übungen ist für mich wesentlich mehr als nur das Kennen der Übungsanleitung, der Spielregeln und der Verwendung ausgeklügelten Materials. Zum einen muss ich als Trainer selbst begeistert von dieser Art des Arbeitens sein, ich muss »hinter« meinen Übungen stehen und auch selbst Spass und Freude daran haben. Ich betrachte es schon fast als eine Kunst, im richtigen Moment, in der entsprechenden Phase einer Veranstaltung das gerade jetzt passende Spiel oder die richtige Übung einzusetzen. Fast jede Übung, und besonders die Klassiker, lassen sich durch eine Vielzahl von Variationen in Bezug auf die Aufgabenstellung und das Setting variieren und für verschiedene Situationen nutzen:
• Handelt es sich um ein Seminar, in dem ich als Trainer Wissen vermittle?
• Führe ich eine Workshop durch, in dem ich als Trainer die Erarbeitung der Ziele moderiere oder
• Handelt es sich bei einer Veranstaltung um ein Training, in dem ich die Teilnehmer in Tätigkeiten oder Verhaltensweisen trainiere, d.h. ihnen auch Übungsmöglichkeiten gebe?
• Brauche ich eine Übung, ein Spiel zum Kennenlernen, für die Kontaktphase, zur Förderung des Vertrauens und der Verantwortung; etwas für Führung, für Konkurrenzverhalten usw. - oder als Auflockerung für zwischendurch, zur Entspannung einer gereizten Atmosphäre oder ...
Ein Ziel dieses Workshops ist es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine gewisse Anzahl an Übungen durch eigenes Erleben kennenlernen, sich selbst als Teilnehmer erleben und dadurch kreativ und situativ mit dieser Methode arbeiten können.
r. reflexion
Nur wenn nach einer Übung auch eine Reflexion durchgeführt wird, rechtfertigt sich im Allgemeinen deren Einsatz. Für die Gestaltung der Reflexion ist es für die Trainerinnen und Trainer notwendig, dass sie sich selbst völlig klar darüber sind, warum sie diese Übung oder dieses Spiel eingesetzt haben. Darauf aufbauend muss er/sie sich die Fragen stellen:
• Wann führe ich die Reflexion durch?
• Wieviel Zeit brauche ich, habe ich oder nehme ich dafür?
• Wie gestalte ich die Reflexion? Im Plenum, in Kleingruppen, einzeln…?
• Wo führe ich die Reflexion durch? An Ort und Stelle nach der Übung, im Seminarraum, bei einem Spaziergang...?
• Oder ist auch einmal keine Reflexion die beste Reflexion?
Ziel des Workshops ist es, die Teilnehmer durch eigenes Erleben mit verschiedenen Möglichkeiten der Reflexion vertraut zu machen, um dadurch auch mit diesem Hintergrund die Auswahl der jeweiligen Reflexionsmethode zu erleichtern
t. transfer
Übungen und Spiele werden immer mit einer bestimmten Absicht eingesetzt. Nach der abgelaufenen Aktion und der wie auch immer durchgeführten Reflexion muss sich die Trainerin oder der Trainer die Frage nach dem Transfer stellen.
Ist hier ein Transfer zur Zielsetzung der Veranstaltung oder zu Abläufen in die tägliche Arbeitswelt möglich oder notwendig?
Auf welche Art und Weise schaffe ich den Transfer?
Ziel dieses Workshops ist es auch, Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Transfermöglichkeiten erleben zu lassen und verschiedene Methoden dazu an die Hand zu geben.
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